Neulich unterhielt ich mich mit einer Freundin über die Themen, die uns gerade sehr beschäftigen: die Lebensmitte und die Wechseljahre. Da meinte sie lachend, bei Dir klingt es als würden wir danach wiederauferstehen.
Aus den Wechseljahren aufzutauchen hat für mich tatsächlich etwas von einer Auferstehung. Ich behaupte sogar die Wechseljahre sind eine Initiation und dass wir sie in der Lebensmitte wahrnehmen, ist kein Zufall.
Mir fiel die Anfangsszene eines Romans ein, den ich kürzlich gelesen hatte. Darin geht es um eine Frau in den Wechseljahren. An einem siedend heißen Londoner Wochentag steckt sie im Stau. Eingequetscht zwischen Autos wird ihr schlagartig bewusst, dass einiges nicht mehr stimmt in ihrem Leben. In ihrem Innern bahnt sich eine unkontrollierbare Wut ihren Weg. Sie steigt aus dem Auto aus und unter den ungläubigen Blicken und Zurufen der anderen Verkehrsteilnehmer geht sie weg.
Wenn uns die Dimension der Wechseljahre bewusst wäre, würden wir alle einen Stopp einlegen, um darüber nachzudenken, wie wir die Weichen stellen „für das große Danach“, wie es die Aktivistin und Psychotherapeutin Alexandra Pope nennt, oder die Auferstehung, wie es meine Freundin betitelt hat. Gemeint ist eine neue Ära der inneren Freiheit, von der mir ältere Freundinnen berichten und die auch ich, in meiner Postmenopause mehr und mehr wahrnehme.
So gesehen bekommen die Wechseljahre, die in dieser Lebensphase stattfinden einen tiefen Sinn. Sie fordern uns auf mit dem Vergleichen aufzuhören, weil wir alle unverwechselbar sind. Das erlaubt uns die Symptome, wie die berüchtigten Hitzewallungen oder die viel weniger besprochenen Kälteschauer, Gelenksschmerzen oder den Brain Fog als das wahrzunehmen, was sie sind, als Wachstumsschmerzen. Nichts ist wie vorher und das Neue müssen wir erst definieren. Dazu kommt, dass wir mittendrin sind im Stau des Lebens. Die Autos vor und hinter uns sind wie die vielen Aufgaben der Lebensmitte. Oft würden wir am liebsten aufstehen und gehen. Wir vernehmen den Weckruf. Doch niemand hat uns gezeigt, wie wir darauf reagieren sollen.
Denn wir sind die, auf die wir gewartet haben. Was wir erleben, ist ein historischer Moment – noch nie waren so viele Frauen in den Wechseljahren. In Österreich allein sind wir 1 Million. Zum ersten Mal in der Geschichte haben wir die Möglichkeit uns bewusst auf das große Danach vorzubereiten.
Oft fühlt sich diese Erfahrung and, wie eine zweite Pubertät, nur rückwärts. Denn wir leben in einem Körper, der älter wird. Spätestens jetzt ist das Thema Selbstfürsorge ernst zu nehmen. Ich erlebe, dass Frauen nicht über ihre Wechseljahre sprechen möchten, weil sie zu viel Negatives damit verbinden. Plötzlich wird uns klar, wie das Patriarchat der Gesellschaft seinen Stempel aufgedrückt hat. Das spiegelt sich in der für Frauen schlechten, medizinischen Versorgung wider. Ein hormonell bedingtes Stimmungstief, wird noch viel zu oft mit einer Packung Psychopharmaka abgehakt. Viel effektiver wäre es über festgefahrene Rollen zu reden. Geraden deshalb brauchen wir den Austausch miteinander, um das Bild der Wechseljahre zu vervollständigen. Denn Wissen ist Macht und Nichts zu wissen macht wütend. In England gibt es sogar einen Begriff dafür: Menorage. Die Frau im Auto, erinnerst du dich?
Ich bin davon überzeugt, die Wechseljahre sind eine Initiation und es ist kein Zufall, dass wir sie in der Lebensmitte wahrnehmen. Wir haben ein Stück des Weges hinter uns und wissen, was uns nicht mehr dient. Für unsere Neuausrichtung brauchen wir Mut und Zuversicht. Ein erster Schritt sind kleine Zeitinseln. Sie helfen uns durchzuatmen und herauszufinden, welcher Weg zu unserer Selbstwerdung führt.

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